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Auf den Spuren von Graf Andrássy

Magyarul

Im Veranstaltungssaal des Budapester Hotel Moments an der Radialstraße, die nach dem unermüdlichen Brückenbauer der österreichisch-ungarischen Beziehungen, dem gemeinsamen Außenminister der österreichisch-ungarischen Monarchie, Graf Gyula Andrássy, benannt ist, konnten wir am 25. März 2022 Augenzeugen eines bedeutenden Ereignisses der Tourismusdiplomatie sein. An diesem symbolträchtigen Ort unterzeichneten die Geschäftsführer des Wien Tourismus und der Budapest Brand nZrt., Norbert Kettner und Csaba Faix, eine Kooperationserklärung, die im Tourismusbereich den Grundstein für eine engere und langfristige Zusammenarbeit zwischen den beiden benachbarten Hauptstädten legen wird.

 

Die Unterzeichner beider Seiten betonten, dass die durch das Coronavirus ausgelöste Pandemie einen Neuanfang in der Betrachtung des Tourismus als sozioökonomisches Phänomen darstellt. Die Pandemie bewirkte auch ein Umdenken, vieles wurde auch im Tourismusbereich neu bewertet und neu definiert, da dieser Sektor als globaler Wirtschaftszweig von der Pandemie sehr stark betroffen war. Besonders hoch waren die Verluste im Bereich des Städtetourismus, der durch die negativen Entwicklungen in einem noch größeren Ausmaß in Mitleidenschaft gezogen wurde. Branchenanalysen zufolge werden in der Welt des Post-Corona-Tourismus, auch bekannt als der neue Tourismus, die Begriffe Nachhaltigkeit, Gesundheitsbewusstsein, Authentizität, Sicherheit und Regionalität sicherlich stark aufgewertet werden. In Zukunft wird sich auch die Aufgabe der Organisationen, die sich mit Tourismusmanagement beschäftigen, ändern: Das Management der Touristenströme und die Optimierung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Empfangsgebietes (der Destination) werden zukünftig immer weiter in den Mittelpunkt rücken. Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung einer Interoperabilität zwischen dem Empfangsgebiet und dem Wohngebiet der lokalen Bevölkerung, was am besten mit dem Begriff qualitativer Erlebnisraum wiedergegeben werden kann. Die Organisation eines qualitativ hochwertigen Tourismuserlebnisses sowie die Optimierung der Besucherströme sind Schlüsselkonzepte für die Zukunft: neue Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus, angetrieben durch die Digitalisierung und den Wunsch, eine kreislauforientierte, CO2-neutrale Wirtschaft zu schaffen. Wien und Budapest haben gleichermaßen die Herausforderungen und Chancen im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft erkannt. Sowohl die Visitor Economy Strategie der Stadt Wien als auch die im Entstehen begriffene Strategie des neuen Tourismus der Hauptstadt Budapest legen großen Wert auf die Förderung der Vernetzung und der Kooperationen innerhalb der Region. Die Unterzeichner der Vereinbarung wollen die nachstehenden Ziele auf einer Win-Win-Basis erreichen.

 

Ziel der geplanten Zusammenarbeit

Im Fahrwasser wechselseitiger Strategien soll die Zahl der touristischen Interaktionen zwischen den Einwohnern der beiden Städte durch koordinierte Produktentwicklung und Werbung erhöht werden: Schaffung von Möglichkeiten im Sinne der Visitor Economy, die zu einer gegenseitigen Steigerung der Besucherzahlen und der Qualität der touristischen Ausgaben führen. Die Zusammenarbeit zielt auch darauf ab, den Tourismus in Wien und Budapest widerstandsfähiger (resilienter) gegen mögliche wiederkehrende globale Krisen zu machen, die die touristische Nachfrage dämpfen könnten. Ermittlung der Bereiche, in denen ein gemeinsames Auftreten auf Drittmärkten aufgrund von Synergien effektiver ist als ein getrenntes Vorgehen. Förderung einer komplementären Produktentwicklung zur gegenseitigen Unterstützung des Qualitätstourismus im Sinne eines Qualitätserlebnisraums und einer optimalen touristischen Zone. Sensibilisierung der Stakeholder für die Verbreitung von Best-Practice-Beispielen im Bereich der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft sowie Förderung der Praktiken des Kreislauftourismus und der Visitor Economy. Abstimmung von Lösungsvorschlägen zur Bewältigung der Herausforderungen, mit denen der Städtetourismus im Allgemeinen konfrontiert ist, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzutreten. Informationsaustausch in regelmäßigen Abständen über Ideen zur Tourismusentwicklung zwischen den beiden Städten, fallweise Durchführung gemeinsamer Recherchen und Austausch von Marktinformationen, um die regionale Zusammenarbeit entlang der Donau zu fördern. Inhalte, Haupt- und Schwerpunktbereiche der Zusammenarbeit sind: 

  • Steigerung der Qualität der touristischen Interaktionen zwischen den beiden Städten
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Tourismus gegenüber globalen Krisen
  • Untersuchung und Entwicklung dessen, wie beliebte City Cards, Zeitkarten und digitale Apps mit verschiedenen touristischen Aktionen verknüpft werden können
  • Verbreitung, Bewerbung und Einbeziehung in die Produktentwicklung von smarten Verkehrsmitteln zwischen den beiden Städten
  • Commitment beider Städte zum nachhaltigen Tourismus
  • Koordinierung der digitalen Entwicklungen für die Interoperabilität auf beiden Seiten
  • gegenseitiges Kennenlernen und Ausbau bewährter Praktiken zur Verbesserung der Lebensqualität der Stadtbevölkerung.

Während ihrer zweitägigen Reise nach Budapest trafen Norbert Kettner, Geschäftsführer des Wien Tourismus, und Daniela Kolesa, Direktorin für Destinationsmanagement des Wien Tourismus, auch mit Fachleuten der Ungarischen Tourismusagentur zusammen, wo sie hervorragende Best-Practice-Beispiele des datengesteuerten Echtzeit-Tourismusmanagements studierten. Anschließend präsentierten sie bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Dentons die Synergien einer Zusammenarbeit zwischen Wien und Budapest in internationaler Hinsicht. Ich freue mich, dass ich in Vertretung der GD Consulting an der Initiierung des Dialogs beteiligt sein und diesen mitgestalten durfte. Ich wünsche Ihnen auf diesem Wege viel gemeinsamen Erfolg bei der Verwirklichung der Ideen. Wie vor einem Jahr in den Ausgaben 5 und 6 des Touristik-Podcasts Dunakavicsok (Donaukiesel) vorgestellt, kann die Zusammenarbeit zwischen den Hauptstädten entlang der Donau viele touristische Chancen in sich bergen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der Weg in die Zukunft in der Zusammenarbeit, im Ausbau der Netzwerke und in der gegenseitigen Entwicklung von qualitativ hochwertigen touristischen Erlebnisräumen und in deren Interoperabilität liegt. Go for it!

Fotos - Cover: Wien Tourismus /Daniela Kolesa - Vertreterin der AT/HU Tourismusbeziehungen. Aufmacher: Budapest Brand nZrt. - Norbert Kettner, Balázs Kovács, Faix Csaba vlnr.

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